Wie viel Wahrheit und wie viel Geheimnis braucht die Liebe? 

Nach meiner Überzeugung gibt es Liebe und Partnerschaft auf Dauer nur auf Basis von Vertrauen und Respekt, Brutto für Netto. Wie viel meiner Wahrheit darf ich dem anderen vorenthalten – wie viel muss ich ihm sagen – gerade wenn es um Gesundheit geht. 

Wenn es um eine mögliche Körperverletzung meines Gegenübers geht, ist nicht nur juristisch klar eine Grenze überschritten. Diese darf und muss besser früher als später geahndet werden. 

Wie sieht es aber mit den Situationen aus, in denen ich ein Wissen habe, welches dem anderen in diesem Moment nicht schadet. Zu Zeiten vor Corona, als ich noch als Klinikpfarrer gearbeitet habe, gab es eine Situation mit deutlicher Regelmäßigkeit: Eine meist ältere Person lag als Krebspatient in der Klinik. Sofern es räumlich möglich war, hatte dieser Mensch bereits ein Einzelzimmer. In dieser Situation rief der Sohn oder die Tochter mit der Bitte an, ob wir den Vater respektive die Mutter besuchen könnten. Es wurde zeitnah ein Termin vereinbart und man traf sich erst einmal vor dem Patientenzimmer. Das kurze Kennenlerngespräch endete mit der Bitte, es der Person hinter der Türe nicht zu sagen, dass sie laut Erwartung der Ärzte und dem Gefühl der Angehörigen maximal noch 7 Tage zu leben habe. Eine der ersten Sätze, nachdem ich angeklopft hatte und in das Zimmer hereingebeten wurde, lautete: „Herr Pfarrer, ich habe noch maximal eine Woche zu leben, aber sagen sie es bitte meiner Familie nicht.“ Hier hatte ich einerseits einen klaren Auftrag, hier war andererseits aber auch jedem klar, was die Uhr geschlagen hatte. In der Regel habe ich sehr behutsam das Gespräch aller miteinander initiiert.

Was ist aber, wenn…

nur einer – und zwar der Betroffene und der behandelnde Arzt – von einer solchen, zeitBedrohung weiß. Mehr noch, in meiner über 25 Jährigen Erfahrung an der Grenze zwischen Leben und Tod, weiß jeder mit einem Leiden, wann er in die Endrunde des Lebens einläuft und es sich nur noch um eine kurze Zeitspanne hier auf der Erde handelt. Sollte oder gar muss man dies seinem Partner sagen? Oder darf man die wenige Zeit, die man noch hier miteinander hat, unbeschwert nutzen – ja genießen? Auch auf die Gefahr hin, dass sich der Übrigbleibende so etwas wie betrogen fühlt?  Denn, was wäre eine mögliche Gegenreaktion? Belastete Zeiten, überhastig gekündigte glückliche Beziehung … – Vor allem, wenn sich später herausstellen sollte, dass sich die Bedrohung zurückgebildet hat bzw. nicht mehr besteht?

Auf der anderen Seite, wollte ich das als Partner wissen, welches Damoklesschwert in den kommenden Monaten über uns schwebt, wenn ich Zeiten unbeschwert mit meinem Partner genieße? – Anstatt die ganze Zeit auf eine imaginäre Uhr zu schauen, wenn die Stunde Null kommen könnte und die Zeit zu Ende ist?

Wie schaffe ich es, nach einer solchen Situation wieder auf die Füße zu kommen? Mehr noch, wie schaffe ich es, diese Stunde Null, diesen absoluten Tiefpunkt in mein Leben als Neustart hin zur Transformation zu integrieren?

Darüber spreche ich in diesem Interview mit Christiane von Beuningen.

Herzlichen Dank für Deine Offenheit und diesen Tiefgang

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Stundenull-Talk: Stefan Hund

lädt Unternehmerinnen und Unternehmer ein, die erlebt haben, dass ihr Leben nicht so weiter geht, wie gedacht – und dadurch eine Transformation erlebt haben.