Gibt es Zufälle?

Susanna Pleschgatternig hat ihr Podcastinterview, was wir vor einem haben Jahr veröffentlicht haben, Anfang April 2022 reflektiert. Sie hat davon gesprochen, dass alles passte… und es keine Zufälle gibt. Dies inspirierte mich zu diesem Blogartikel.

Meine Antwort in LinkedIn an Susanna beginnt folgendermaßen:

Zufälle gibt es in meiner Erfahrung nicht, wie Du auch schon so schön beschreibst. Ich weiß, alleine aus 18 Jahren Schweigeseminare und jetzt 118 Podcastfolgen, um unzählige Geschichten. Meine Interviewgäste, die eine wichtige Transformation schon durchschritten hatten, können teilweise genau den Tag und die Stunde benennen – an dem ihr bisheriges Leben zu Ende ging, klinisch tot war. Als sie morgens nicht mehr aus dem Bett kamen, Mutter wurden, die Insolvenz anmelden mussten, ihre Kündigung vom Partner oder dem Unternehmen erhielten. Klar, es gibt auch jene, die weiter den toten Gaul reiten oder in sich zusammenfallen, aber diese sind hier nicht in meinem Fokus. Jene Gesprächspartner wie Susanna im Interview, die vor einer neuen Transformation standen, erlebten dann wie sie: Jeweils kamen meine Teilnehmer genau zum richtigen Zeitpunkt, um ihrem Geheimnis auf die Spur und damit zu einer (erneuten) Lebenstransformation zu kommen.

„Zufälle“ sind immer Ereignisse, die einem zufallen. Jene, von deren Bedeutung für das eigene Leben nichts mehr oder eben noch nichts weiß. Jeder von uns hat tagtäglich 1000e dieser Zufälle. Präsent werden aber nur diejenigen, die aktuell ins eigene Konzept/Lebenssituation passen und es bestätigen erweitern. Oder es sind jene, die dem aktuellen Leben so ein Stoppschild setzen, und damit schlagartig in unser Bewusstsein gelangen.

Alle anderen sind deswegen weder ungeschehen noch weg. Vielmehr werden sie, so würde ich es beschreiben, im Unterbewussten registriert und schlummern dort. Schmerzhafte Punkte werden sogar weiter genährt. Bis zu jenem Moment, in dem das Ereignis oder die Person mit dem passenden Schlüssel kommt …

– oder der schmerzhafte Punkt so unter Druck steht, dass das damit Verbundene in die Zeit platzt. Wenn es platzt und ausbricht, wird es meist unschön und schmerzhaft – derjenige, bei dem es ausbricht kommt erst einmal in die Passivität – es ist ein Weg (von) mit ungewissem Ausgang. (Krebs- und Infarktpatienten können wissen, was ich meine.)

Die Schweigeseminare und der Podcast, der nach Anregung von Seminarteilnehmerinnen entstanden ist, sind jeweils solche Ereignisse, die den passenden Schlüssel in sich tragen. Bei allem Respekt und Ehrfurcht vor dem Erlebten meines Gesprächspartners gibt es für diese Interviews zwei grundsätzliche Haltungen bei mir: a) „Appreciative Inquiry“ nach M. zur Bonsen und Walter Bruck und b) Hebb’sches Gesetz – nach Donald O. Hebb (1949). Ersteres könnte man mit „wertschätzende Befragung“ übersetzen – letztlich ist es aber viel mehr, es geht darum die Juwelen des Gesprächspartners zu entdecken und diesen zum Glänzen zu verhelfen. In diesem Moment werden neuronale Netzwerke bedient, angeschaltet und die innere Vernetzung verändert und entwickelt sich – und damit das zeigt sich auch im Außen.

Wie Susanne es beschreibt, auf einmal konnte sie Dinge in ihrer Umgebung erkennen und damit arbeiten, die sie schon lange vergeblich gesucht hatte. Andere verstanden im Nachgang des Interviews die letzten zehn Jahre ihres Lebens neu und erkannten auf einmal einen roten Faden.

Etwas über 70% der Teilnehmer meiner Schweigeseminare https://stundenull-talk.com/stille haben im halben Jahr davor oder nach dem Seminar eine Stundenull erlebt. Im Schweigen und meiner Begleitung entdeckten sie einen entscheidenden Schlüssel zur Transformation  – das, was ich den Phönixmoment nenne.

Das Podcastinterview, so wie es Susanna erlebt hat, spiegelt komprimiert diese Erfahrung in 45 Minuten. Und dann liefert, wie sie selbst beschreibt, das Unterbewusste nach … „What fires together, wires together“ (Hebbsches Gesetz).

Wer so etwas auch kennt, kann gerne kommentieren.